Programm für Jugendliche

Für Jugendliche werden individualpädagogische Massnahmen angeboten.

Individualpädagogische Massnahme

für 1-2 Jugendliche

Wer kann teilnehmen?

Das Projekt richtet sich an Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren, die eine Auszeit weit weg von ihrer gewohnten Umgebung brauchen, um zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zurückzufinden, und neue Perspektiven zu entwickeln.
Es ist vor allem für Jugendliche geeignet, die sich nur schwer auf therapeutische oder pädagogische Massnahmen vor Ort einlassen. Wir arbeiten mit Jugendlichen, die Probleme mit Alkohol und Drogen haben, sich ritzen, depressive Symptome zeigen, mit Angstzuständen kämpfen und eine traumatische Vergangenheit haben. Jugendliche, deren Hauptprobleme kriminelles Verhalten und Gewaltbereitschaft sind, eignen sich nur bedingt für das Programm.

Wo findet das Projekt statt?

Der Standort des Projekts befindet sich 15 km außerhalb der Kleinstadt Kalispell im Nordwesten des amerikanischen Bundesstaats Montana, ungefähr 100 km südlich der kanadischen Grenze. Montana ist etwa so gross wie die Bundesrepublik Deutschland. Die Gesamtbevölkerung beträgt jedoch nur eine Million Menschen (im Vergleich zu etwa 82 Millionen Deutschen). Montana besteht zum Großteil aus Nationalparks und geschützten Wildnisgebieten, in denen man wandern, Bootfahren, angeln, reiten und die Natur erforschen kann.
Untergebracht ist das Projekt in einem modernen Haus auf einem 1,5 ha grossen Grundstück. Dort leben neben den Betreuungspersonen ein Pferd, ein paar Ziegen, Hühner, Hasen, Gänse, ein Hund, mehrere Rehe und andere wilde und zahme Tiere. Die Jugendlichen wohnen in einem grossen Zimmer im Dachgeschoss. Im Sommer schlafen die Jugendlichen auch oft in Zelten.

Zielsetzung und Möglichkeiten

Ohne die ständige Ablenkung durch Konsumreize und elektronische Medien entdecken die Jugendlichen neue (oder alte) Fähigkeiten und Interessen. Die Jugendlichen erleben einen strukturierten Alltag, in dem körperliche Aktivität, das Übernehmen von Verantwortung für sich selbst und andere und persönliche Beziehungen eine grosse Rolle spielen. Das Leben und das Verhalten, das die Jugendlichen zu Hause als selbstverständlich erlebt haben, werden in Frage gestellt und damit neue Lebenswege eröffnet. Positive Charaktereigenschaften werden gestärkt und weiterentwickelt. Der tägliche Umgang mit Tieren erlaubt es den Jugendlichen, Verantwortung zu übernehmen und sich vertrauenswürdig zu zeigen. Gegenseitiger Respekt als Grundlage zwischenmenschlicher Beziehungen steht im Mittelpunkt des täglichen Umgangs miteinander. Die Jugendlichen erleben, dass auf ihr Verhalten natürliche und naturnahe Konsequenzen folgen. Die Auseinandersetzung mit Grenzen und Konsequenzen hilft den Jugendlichen, ihre Prioritäten und Einstellungen neu zu ordnen.

Es wird von den Jugendlichen erwartet, dass sie zum Haushalt beitragen, bei der Arbeit auf der Ranch mithelfen und bei anderen gemeinnützigen Projekten mitarbeiten. Dadurch können sie nicht nur Vertrauen und damit mehr Freiheit gewinnen, sondern sich auch spannende Freizeitmöglichkeiten erarbeiten. Selbständiges Denken und Handeln wird gefördert, indem die Jugendlichen Mahlzeiten planen und kochen, ihre Freizeitaktivitäten gestalten, Ausflüge in die Umgebung vorbereiten und leiten, und andere Projekte im Landkreis finden, an denen sie teilnehmen möchten.

Schule

Wir ermutigen Jugendliche, für die Schule von Interesse ist, sich bei der Flex-Fernschule zu bewerben, die auf externe Abschlüsse vorbereitet. Im allgemeinen verbessern die Jugendlichen ihre Englischkenntnisse durch den Umgang mit den Menschen hier. Auf Wunsch erhalten die Jugendlichen Englischunterricht.

Betreuung

Die zuständige Betreuungsperson für alle Jugendlichen ist Annegret Fischer Noble. Sie ist als Familientherapeutin mit Approbation in Montana und Kalifornien staatlich anerkannt. Sie ist deutsche Staatsangehörige und arbeitet seit 1995 als Therapeutin mit Jugendlichen, jungen Erwachsenen und Familien. Annegret Fischer Noble hat Zusatzausbildungen in der Behandlung von Drogen- und Alkoholproblemen und in der pferdeunterstützten Therapie.

Neurofeedback

Neurofeedback In Zusammenarbeit mit Wiley Nelson bietet Noble Acres als Teil des Programms Neurofeedback für Jugendliche an. Für Jugendliche mit Stimmungsschwankungen, Depressionen, ADHS und explosivem Verhalten hat sich Neurofeedback als hilfreiche Therapiekomponente erwiesen. Neurofeedback kann Jugendlichen dabei helfen, sich besser zu konzentrieren, neuen Verhaltensweisen gegenüber offen zu sein, Gefühle kommen und gehen zu lassen und der Welt weniger angriffslustig gegenüber zu treten.

Weitere Betreuungspersonen

wechseln und werden je nach Bedürfnis der Jugendlichen in das Projekt mit einbezogen. Dazu gehören örtliche Reitstall- und Ranchbesitzer, Bauunternehmer, Tierheimleiter oder Handwerker und oft auch Erzieher und/oder Praktikanten aus Deutschland.

Programmablauf

Unser Ziel ist es, das Programm individuell auf die Bedürfnisse jedes einzelnen Jugendlichen zuzuschneiden. Dazu benutzen wir ein Stufensystem, in dem sich die Jugendlichen vom Zuwanderer bis zum Cowboy hocharbeiten können. Wie sich die einzelnen Stufen gestalten, hängt von Alter, Reife und Zielen des Jugendlichen ab. Auf jeder Stufe gibt es Aufgaben, die die Jugendlichen erledigen müssen, und Privilegien, die sie sich erarbeiten können.

Als "Zuwanderer", der in ein neues Land und eine neue Kultur kommt, wird von den Jugendlichen erwartet, dass sie beobachten, was um sie herum passiert, wie Entscheidungen getroffen werden, was es für Regeln, Erwartungen und Traditionen gibt. Sie haben Zeit, über sich und ihr Leben nachzudenken und sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen. In der Regel zelten die Jugendlichen in dieser Phase, die von 3 Tagen bis zu 2 Wochen dauern kann.

Nachdem sie sich eingewöhnt haben, steigen die Jugendlichen zum "Greenhorn" oder Anfänger auf. Greenhorns fangen an, neue Fertigkeiten zu lernen und an ihren Behandlungszielen zu arbeiten. Sie gewöhnen sich daran, dass alle ihre Entscheidungen mehr oder weniger angenehme Konsequenzen haben. Auf dieser Stufe helfen sie aktiv im Haushalt und bei der Tierpflege mit, um sich Taschengeld zu verdienen. Sie unternehmen Ausflüge in die Umgebung und fangen an, in der “Foodbank” (eine Organisation, die Lebensmittel an bedürftige Familien weitergibt) zu arbeiten. In der Regel leben die Jugendlichen in dieser Phase im Haus. Bei kürzeren Aufenthalten bleiben die Jugendlichen auch in dieser Phase in der Wildnis, ziehen aber oft auf einen anderen Zeltplatz um und haben die Möglichkeit, das tägliche Leben aktiv mitzugestalten. Diese Phase dauert 2-6 Wochen.

“Was ich höre, das vergesse ich. Was ich sehe, daran erinnere ich mich. Was ich tue, das verstehe ich.”(Konfuzius)

Auf der nächsten Stufe geht es vor allem um Beziehungen. Als "Ranch-Hand" fragen sich die Jugendlichen, wie sie ihre Beziehungen mit ihrer Familie, ihren Freunden und sich selbst verändern wollen. Sie lernen, über Probleme zu reden, Lösungen zu finden und mit ihren Gefühlen angemessen umzugehen. Die Jugendlichen fangen an, sich Gedanken darüber zu machen, was passiert, wenn sie wieder zu Hause sind. Sie schmieden Pläne für die Zukunft und besprechen diese mit ihren Eltern oder Erziehungsberechtigten. Die Jugendlichen wohnen auf dieser Stufe im Haus oder in einem Zelt auf dem Ranchgelände. Sie planen Ausflüge und Aktivitäten. Je nach Alter haben sie die Gelegenheit, alleine einkaufen zu gehen, mit dem Fahrrad die Umgebung zu erkunden oder auf einer benachbarten Ranch auszuhelfen. Die meisten Jugendlichen kehren nach erfolgreichem Abschluss dieser Phase, die 1-4 Wochen dauern kann, nach Hause zurück.

Die Jugendlichen haben jedoch die Gelegenheit, noch eine Stufe weiter zu kommen und als "Cowboy"(oder Cowgirl) nach Hause zu gehen. Jugendliche, die diesen Weg wählen, haben bewiesen, dass sie gewisse Führungsqualitäten erworben haben und bereit sind, die Bedürfnisse anderer ihren eigenen Bedürfnisse voranzustellen. Auf dieser Stufe übernehmen die Jugendlichen selbständig die Verantwortung für bestimmte Aufgaben im Haushalt oder auf der Ranch. Sie haben sich das Vertrauen der Betreuer und damit zusätzliche Freiheiten verdient. Oft planen Jugendliche auf dieser Stufe ein Solo, wobei sie mehrere Tage alleine in der Wildnis zelten und sich innerlich auf ihre Rückkehr nach Hause vorbereiten, oder einen längeren Ausflug für sich und ihre Betreuungspersonen in einen der nahen Nationalparks.

Systeme und Familien

Kein Mensch ist eine Insel. Wir gehören alle verschiedenen Gruppen und "Systemen" an. Ein System besteht aus einzelnen Mitgliedern, die sich gegenseitig beeinflussen. Systeme versuchen ständig, ein Gleichgewicht zu finden, so dass jedes Mitglied weiß, was von ihm erwartet wird und wie es zum Wohl des Systems beitragen kann. Systeme verändern sich nur ungern, wenn sie erstmal im Gleichgewicht sind. Darum ist es oft so schwer für uns, unsere Gewohnheiten zu ändern.
Auch Familien sind Systeme. Wenn ein Familienmitglied ein Problem hat, dann hat die Familie ein Problem. Damit sich ein Mitglied erfolgreich verändern kann muss sich das ganze System ändern und neu einpendeln. Familien erwarten oft, dass sich ein Jugendlicher im Rahmen dieses Programms verändert und diese Veränderung beibehält, wenn er wieder zu Hause ist. Das ist jedoch nur möglich, wenn sich alle anderen Familienmitglieder auch entsprechend verändern.

Darum nehmen Eltern von Anfang an der Behandlung ihres Kindes teil. Sie schreiben Briefe, erledigen ihre eigenen Aufgaben und telefonieren regelmaessig mit ihrem Kind. Wenn Eltern ihre Kinder abholen, nehmen sie zusammen mit ihrem Kind an mehreren Familientherapiesitzungen teil. In diesen Sitzungen übt die Familie, miteinander zu reden, Probleme zu lösen und neue Verhaltensmuster zu praktizieren. Zusammen entwickeln Jugendliche und Eltern einen Plan für die Nachbetreuung.

Entscheidungen und Konsequenzen

Als Erwachsene werden wir nur selten “bestraft.” Erwachsene bekommen keinen Stubenarrest und ihr Taschengeld wird nicht gekürzt, aber Erwachsenen wird gekündigt, sie werden nicht befördert und sie müssen sich entschuldigen und verändern, um Beziehungen zu reparieren. Unser Ziel ist es, Jugendlichen beizubringen, dass ihre Entscheidungen Konsequenzen haben, nicht dass Erwachsene alles besser wissen und sie bestrafen können, wenn sie Fehler machen.

Unser Programm lässt, so oft das möglich ist, natürlichen Konsequenzen ihren Lauf. Wenn natürliche Konsequenzen zu gefährlich sind oder erst langfristig zum Tragen kommen, benutzen wir logische Konsequenzen. Konsequenzen, die Jugendlichen zeigen, dass ihre Entscheidungen Auswirkungen auf die Welt um sie herum haben - positive und weniger positive.

Jugendliche verpassen unter Umständen Aktivitäten oder können nicht an Ausflügen teilnehmen bis sie verstehen, wie ihr Verhalten andere Menschen beeinträchtigt. Ganz selten sind Jugendliche nicht in der Lage, sich selbst zu kontrollieren und bringen dadurch sich selbst oder andere in Gefahr. In diesem Fall werden Betreuer den Jugendlichen körperlich festhalten, um sicherzustellen, dass keinem etwas passieren kann. Sobald der Jugendliche sich selbst wieder unter Kontrolle hat, wird er losgelassen. Jegliche Körperstrafe ist in unserem Programm verboten.

Häufige Fragen

Hier finden Sie Antworten auf häufige Fragen zu Kosten, Dauer und Vorraussetzungen für die Therapie.